Corona-Pandemie: Besser jetzt handeln, als später die Kontrolle zu verlieren

Fotoquelle: Jens Oellermann Fotografie

Irgendwie haben wir es doch noch im Sommer und dann im Frühherbst alle geahnt: Die Corona-Pandemie ist nicht weg, sie wird uns im Spätherbst, spätestens im Winter wieder einholen. Unser Parteivorsitzender Markus Söder war hier steter Mahner, was aber nicht alle gerne hören wollten. Und doch ist es leider so gekommen: Hatten wir die Lage im Sommer aufgrund der vorbildlichen Disziplin des Großteils unserer Bevölkerung weitgehend im Griff, auch weil sich das Leben weitgehend im Freien abspielen konnte und weil das heimtückische SARS-CoV-2 sich in warmer Umgebung schlechter verbreiten kann, so ist der Blick auf die täglich von Robert-Koch-Institut vermeldeten Zahlen an Neuinfektionen beängstigend. Fast 20.000 Fälle meldeten die Gesundheitsämter zuletzt, Tendenz stark steigend. Würden wir jetzt nicht politisch handeln, käme es wohl zu einer Verdoppelung der Infektionszahlen – pro Woche! Und damit einhergehend zu einer Verdoppelung der intensivmedizinisch zu betreuenden Patienten. Damit wären wir bald am Anschlagspunkt unserer medizinisch-pflegerischen Möglichkeiten. Ärzte müssten selektieren, im schlimmsten Fall entscheiden, dass ältere oder vorerkrankte Patienten gar nicht mehr behandelt werden. Schon jetzt können die Gesundheitsämter nicht mehr alle Kontaktketten nachverfolgen, weil sie personell unterbesetzt sind. Diese Dynamik halten wir nicht länger durch, insbesondere nicht in unseren Städten!

Wichtiger Gradmesser der Dynamik des Infektionsgeschehens für die Wissenschaft ist die sog. „7-Tage-Inzidenz“. Dieser Wert liegt im Landkreis Neu-Ulm derzeit (Stand: 30.10.2020) bei 118,72 pro 100.000 Einwohner. Verkraftbar sind nach einschlägiger Meinung 50. 1.257 Bürger aus unserem Landkreis sind zum Stand 30. Oktober positiv getestet, 37 mehr als noch am Vortag. 26 Todesfälle haben wir bislang zu verzeichnen. Und wir müssen jetzt alles dafür tun, dass es nicht mehr werden. Auch nicht, um unsere Krankenhäuser der Kreisspitalstiftung zu überlasten. Die Kapazitäten der Intensivbetten dort drohen bei einem solch starken Anstieg bald erschöpft zu sein.

Wir wissen, dass Sie und die überwältigende Mehrheit sich seit dem Ausbruch der Pandemie vorbildlich an unsere gemeinsamen Regeln gehalten haben. Wir wissen, dass unsere Unternehmen, unsere Gaststätten, Freizeit- und Sporteinrichtungen, Kinos und Fitnessstudios, die Kirchen und Vereine Vieles unternommen haben, um die Abstandsregeln und Hygienekonzepte bestmöglich umzusetzen. Dafür sind wir Ihnen allen sehr dankbar. Und wir wissen auch, dass die anhaltende Krise, das Maskentragen, all der Verzicht an den Nerven zehrt. Ja, Corona nervt! Wenn wir nun aber wirksam gegensteuern wollen, müssen wir uns fragen, wo wir ansetzen müssen, wenn wir die Wirtschaft am Laufen sowie Schulen und Kindergärten offen halten wollen. Und da bleiben eben nur der Freizeitbereich und die Gastronomie. Denn da bestehen nun einmal die meisten Kontakte im öffentlichen Raum. Und die müssen wir nach eindringlichen Empfehlungen der Wissenschaft um 75 Prozent zurückfahren. Wir kommen um die – auf den Monat November – befristeten Maßnahmen leider nicht herum.

Was für Viele „nur“ ein Verzicht auf liebgewonnene Formen von Lebensqualität ist, der Restaurantbesuch oder das Tennis-Match, ist für andere der Wegfall des Lebensunterhalts. Daher haben wir vonseiten des Bundes gleichzeitig beschlossen, den betroffenen Unternehmen 75 Prozent der Umsätze des Vorjahresmonats November 2019 zu erstatten. Das dürfte insbesondere die Betreiber von Freizeiteinrichtungen oder die Gastwirte momentan besserstellen, als wenn der Betrieb im bisherigen Corona-Modus weitergelaufen wäre. Die Zurückhaltung der Kunden und Gäste war die letzten Wochen schon zu spüren. Für diese Ausfälle stellt der Bund insgesamt zehn Milliarden Euro zur Verfügung – ein weiteres dickes Hilfspaket in weiterhin außergewöhnlichen Zeiten.

Wir gehen davon aus, dass die jetzt beschlossenen Einschränkungen ihre Wirkung entfalten werden. Sonst hätten wir sie auch nicht auf den Weg gebracht. Aber ehrlicherweise müssen wir auch sagen, dass heute kein Politiker, kein Wissenschaftler und keine Behörde voraussagen kann, dass dies tatsächlich und nachhaltig für verkraftbare Infektionszahlen sorgen wird. Wenn wir bedenken, dass wir jetzt Anfang November haben, so muss uns klar sein, dass die Wintermonate bis März 2021 noch bevorstehen… Deshalb ist es nun umso wichtiger, eine umfassende Nationale Test- als auch Impf-Strategie aufzustellen. In diese Arbeiten bin ich, Georg Nüßlein, als der für Gesundheitspolitik zuständige Unionsfraktionsvize, gemeinsam mit dem Bundesgesundheitsministerium derzeit voll eingebunden. Und wir haben berechtigte Hoffnung und ermutigende Anzeichen, dass wir hier auf einem guten Weg sind. Wenn wir flächendeckende, verlässliche Testmöglichkeiten schaffen, kommen wir auch bald wieder in großen Teilen zu der Normalität zurück, die wir uns jetzt so sehnlich zurückwünschen. Erst recht, wenn wir einen wirksamen Impfstoff gefunden haben, mit dem sich die Mehrheit der Bevölkerung immunisieren kann.

Auch wenn wir den Menschen jetzt viel bzw. noch mehr abverlangen. Es ist besser, jetzt zu handeln, als später die Kontrolle zu verlieren. Und es ist auch besser, nach vorne zu schauen und auf die technisch-wissenschaftlichen Möglichkeiten zu vertrauen. Wenn wir das akzeptieren und alle mitmachen, haben wir hoffentlich die Chance auf ein Weihnachtsfest, das wir im Kreise unserer Liebsten feiern können.