Ein starkes Handwerk für eine starke Region – Gespräch mit regionalem Handwerk und IHK

Fotoquelle: Büro Dr. Nüßlein MdB

Auf Einladung von Kreishandwerksmeister Michael Stoll und der IHK-Regionalvertretung Neu-Ulm und Günzburg hatte ich zu Beginn der parlamentarischen Sommerpause in Weißenhorn ein konstruktives Gespräch mit Vertretern der regionalen Wirtschaft.

Natürlich blieben und bleiben auch unsere heimischen Handwerksbetriebe nicht von der Corona-Krise verschont, was sich nicht nur in zurückgehenden Aufträgen und Umsätzen widerspiegelt. Wie wichtig die politischen Regelungen zum Kurzarbeitergeld und zu den Finanzhilfen für die Firmen sind, hat sich in diesem Gespräch erneut gezeigt.
Aber es ging nicht nur um die Corona-Krise und deren Bewältigung. Vielmehr hatten wir die Gelegenheit zu einem allgemeinen wirtschaftspolitischen Gedankenaustausch. Ich bin immer froh über den Input unserer regionalen Wirtschaft. Ich muss wissen, wo unseren Unternehmern der Schuh drückt und wo wir politisch Verbesserungen anpacken müssen. Ein Themenbereich war hierbei die Energiewende und die Versorgung unserer Wirtschaft mit Energie. Da ist den Unternehmern natürlich der europaweit gesehen überdurchschnittlich hohe Strompreis ein Dorn im Auge. Um diese Problematik in den Griff zu bekommen, bin ich im Bundestag schon länger dabei, mich für Entlastungen und Ausbauszenarien erneuerbarer Produktion einzusetzen, die unsere Wirtschaft international wettbewerbsfähig machen. Das mit der SPD hinzubekommen, ist allerdings kein leichtes Spiel…

Ein weiterer Schwerpunkt unserer Diskussion war die Digitalisierung. Die Corona-Krise hat meines Erachtens einmal gezeigt, dass wir bezüglich der Bandbreiten mittlerweile wohl doch besser dastehen, als vielfach gedacht. So funktionieren Videoschaltkonferenzen mit vielen Teilnehmern nicht nur im gut ausgebauten Berlin, sondern in der Regel auch bei uns in den Landkreisen. Die Krise hat aber auch sehr deutlich gemacht, dass wir beim Thema Digitalisierung noch starken Nachholbedarf haben. Ich denke da nicht nur an die Unternehmen, sondern auch und gerade an die Schulen, die oft noch im Kreidezeitalter leben. Hier muss sich – auch in den Köpfen der Beteiligten – noch viel tun. Von fünf Milliarden Euro Fördergeld im Rahmen des „Digitalpaktes Schule“ haben die Länder (Stand August 2020) gerade einmal 15,7 Millionen Euro (!) abgerufen…

Dauerthema für unser Handwerk ist leider auch der Fachkräfte- und Nachwuchsmangel. Die Gründe hierfür sind vielfach analysiert und bekannt. Um gerade jungen Menschen und damit der Zukunft unserer Betriebe eine Perspektive trotz Corona-Krise zu geben, stellen wir den Firmen im Rahmen des Konjunkturpakets 2000 bis 3000 Euro „Ausbildungsprämie“ pro Azubi als Anreiz zur Verfügung, trotzdem auszubilden. Hierzu wurde mir beschrieben, dass besonders Kleinstunternehmen in der Krise ihre Schwierigkeiten hätten, trotz Bonus auszubilden und gleichzeitig den Betrieb am Leben zu halten. Außerdem sei auch dieses Programm in der Umsetzung recht bürokratisch.
Schließlich kamen wir auch auf das Fleischerhandwerk zu sprechen. In meinen Augen völlig zu Recht äußerte Josef Bader, Vertreter des Fleischerhandwerks im Landkreis Neu-Ulm, dass das Metzgerhandwerk und kleinere Schlachthöfe bei politischen Beschlüssen nicht mit der Großindustrie über einen Kamm geschert werden können. Eine Hausmetzgerei mit eigenem Schlachthof z.B. in Münsterhausen ist eben kein Großkonzern wie Tönnies und kann auch nicht so reguliert werden. Dafür setze ich mich gerade bei meinen entscheidenden Kollegen im Bundestag und in der Bundesregierung ein. Darüber hinaus kämpfe ich zusammen mit Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner dafür, Niedrigstpreise für Fleisch als Lockmittel für Werbung des Handels zu verbieten (vgl. gesonderter Artikel hier im Newsletter).
Ich danke der Kreishandwerkerschaft Günzburg/Neu-Ulm sowie der IHK-Regionalvertretung Günzburg/Neu-Ulm für dieses konstruktive Gespräch, aus dem heraus ich einige Anregungen für mein politisches Wirken in Berlin mitgenommen habe.