Heimische Landwirtschaft fördern, nicht schwächen – Gespräch mit Landwirten der Region

Fotoquelle: Tobias Atzkern

Zugegeben: Unsere Landwirtschaft hatte in den letzten Monaten – auch ohne Corona-Krise – eine Reihe von Kröten zu schlucken, die für unsere Bauern unternehmerisch nur schwer zu verdauen sind. Verschärfte Düngeverordnung, strengere Auflagen für den Klima-, Tier- und Insektenschutz, aber auch der hohe Preisdruck vom Handel und durch die um sich greifende Geiz-Ist-Geil-Mentalität hierzulande. Auch wenn ein Großteil der jüngsten politischen Entscheidungen auf EU-Vorgaben zurückzuführen ist, so ist es doch meist die Bundespolitik, die die verschärften Vorschriften und Gesetze auf nationaler Ebene schlussendlich erlassen muss. Nicht verwunderlich war es, dass ich in den letzten Monaten recht viele kritische Zuschriften von unseren Landwirten erhielt, die ihren Unmut mir gegenüber mal mehr, mal weniger drastisch kundgetan haben.
Da ich grundsätzlich der Überzeugung bin, dass es immer besser ist, miteinander zu reden, als übereinander und da mir die heimische Landwirtschaft schon immer eine Herzensangelegenheit war, habe ich die Vertreter des Berufsstandes aus den Landkreisen Neu-Ulm, Günzburg und Unterallgäu zu einer gemeinsamen Aussprache eingeladen. Dankenswerterweise hatten die Brüder Johannes und Sebastian Wiest eine Halle ihres Aussiedlerhofs in Münsterhausen als Veranstaltungsort zur Verfügung gestellt. So konnten wir nicht nur in urig-originärer Umgebung debattieren, sondern auch die Corona-Abstandsregeln einhalten.
Von Anfang an habe ich klargestellt, dass es mir darum geht, mit diesem Austausch ein Signal für die Wertschätzung der elementar wichtigen Arbeit unserer Landwirte zu setzen, denn Lebensmittel sind im wahrsten Sinne des Wortes Mittel zum Leben. Es ist mehr als bedauerlich, dass unsere Landwirtschaft in letzter Zeit insgesamt in Verruf gekommen ist, was einer oft einseitigen Medienberichterstattung geschuldet ist, aber auch der Tatsache, dass unsere Bauern – ohne jegliche Differenzierung – von rot-grüner Politik zum Sündenbock für Klimawandel, Umweltverschmutzung, Insektensterben und Tierquälerei abgestempelt werden. Das ist eine echte Sauerei, um im Bilde zu bleiben.
Natürlich standen diese Themen im Vordergrund, aber auch die EU-Agrarpolitik, die neue Düngeverordnung oder der auch hier immer mehr spürbare Mangel an Facharbeitskräften. Weitere Themen waren der sog. „Wald-Wild-Konflikt“ (den ich persönlich so nicht sehe), und die Energieerzeugung durch Biogas. Diesen Herausforderungen müssen sich unsere Landwirte auch in „normalen Zeiten“ stellen, neben den Problemen durch die Corona-Krise. Um unseren landwirtschaftlichen Betrieben durch diese, so nie dagewesene Krise zu helfen, hat der Bund im Rahmen seines Konjunkturpakets eine Milliarde Euro extra für die Landwirtschaft zur Verfügung gestellt. So wird – auch zur Verbesserung des Tierwohls – ein Investitionsförderprogramm für den Stallumbau in Höhe von 300 Millionen Euro aufgelegt. Für eine nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder stellt der Bund ganze 700 Millionen Euro zur Verfügung. Plus die Maßnahmen, von denen alle Unternehmen in Deutschland profitieren. Diese Maßnahmen wurden von den Anwesenden einhellig begrüßt.
Völlig einer Meinung war ich mit den Gästen über die Auffassung, dass kleinere Schlachtbetriebe, wie wir sie in der Region haben, politisch nicht genauso behandelt werden können wie die großen Schlachthöfe und Fleischkonzerne anderswo. Auch die Auffassung, dass Fleisch nicht als Ramschware beworben werden sollte, teilte ich mit meinen Gesprächspartnern. In diesen und anderen landwirtschaftspolitischen Punkten sagte ich meine volle Unterstützung im Bundestag in Berlin zu. Unsere Landwirte, die unsere hohe Lebensqualität von heute erst möglich machen, haben jegliche Unterstützung verdient, keine Verschmähungen und Schuldzuweisungen.