Corona-Hotspots Schlachthöfe

Fotoquelle: Büro Dr. Nüßlein MdB

Schlachthöfe in Deutschland entwickeln sich verschiedentlich zu Hotspots für Corona-Infektionen. Wir müssen das Übel an der Wurzel packen. Nicht zuletzt der Preisdruck beim Fleisch ist für die prekären Beschäftigungsverhältnisse mit den daraus resultierenden Gesundheits- und Hygienerisiken verantwortlich. Deshalb habe ich öffentlich gefordert, dass der unanständige Dumpingwettbewerb durch Preiswerbung für Fleisch beendet werden muss (beispielhafte Berichterstattung hier). Auch die Erzeuger leiden unter diesem Kostendruck.

Weil Fleisch ein weitgehend homogenes Gut ist, kaufen Verbraucher in der Regel dort, wo es am billigsten angeboten wird. Anbieter versuchen also, durch Billigpreise beim Fleisch die Frequenz im Markt zu erhöhen und von Mitnahmeeffekten zu profitieren. Preise für Schweinefleisch von beispielsweise 4,44 Euro pro Kilo halte ich für unethisch.

Ein besonders wirksames Mittel dagegen wäre ein Werbeverbot über den Preis. Wenn stattdessen mit qualitativen Differenzierungsmerkmalen geworben wird, erhöht das in der Folge den Schutz der Verbraucher, verbessert die Situation der Beschäftigten und nützt dem Tierwohl. Erreicht werden kann dieses Ziel am besten durch eine freiwillige Verpflichtung des Handels. Sollte sie nicht möglich sein, müsste ein Verbot in Betracht gezogen werden.

Ein weiteres Problem liegt aber auch darin, dass sich Schlachtungen bei wenigen großen Betrieben konzentrieren. So haben beispielsweise die zehn größten Schweineschlachtbetriebe einen Marktanteil von 80 Prozent in Deutschland. Corona zeigt uns jetzt klar und deutlich, was diese Abhängigkeit bedeuten kann: Wie soll die Nahrungsmittelversorgung sichergestellt sein, wenn dominante Betriebe aufgrund von Infektionsschutz geschlossen würden? Insbesondere führt das auf der Erzeugerseite zu einem schwierigen Szenario, denn dort können nicht mal eben die Bänder angehalten werden.

Und spätestens hier sind wir beim Tierwohl. Die Tiere sind auf den letzten Metern zunehmend vermeidbarem Stress ausgesetzt, weil die Transportwege durch das Schlachthofsterben zu lange geworden sind. Politik ist jetzt gefordert, dieses Problem anzugehen und zu einer Dezentralisierung bei Schlachtbetrieben zurückzufinden.

Konkret heißt das: sozialpolitisch nachschärfen, Kontrollen der Arbeitsbedingungen und Tierschutzaspekte massiv verstärken, perspektivisch Transportwege für Schlachtvieh verkürzen und kostentreibende Auflagen für kleinere Betriebe auf Notwendigkeit überprüfen. Dass die „Schweinereien“ aufhören, ist für Landwirtschaft, Verbraucher aber auch für solide arbeitende Schlachtbetriebe sehr wichtig. Darüber hinaus werde ich mich auch für eine Tierwohlabgabe einsetzen, die unmittelbar entsprechend wirtschaftenden Landwirten zufließt.