Fakenews entschieden entgegenstellen

Fotoquelle: Robert Koch Institut

Je weiter die Zeit voranschreitet und es bei uns nicht zu katastrophenartigen Bildern wie beispielsweise in Italien oder New York kommt, desto mehr Zuschriften bekomme ich, dass die aktuellen Beschränkungen nicht gerechtfertigt seien. Oft wird hier auf Basis von Fakenews argumentiert, denen wir uns entschieden entgegenstellen müssen. Gleichzeitig sage ich auch klar, dass wir schnellstmöglich – aber verantwortungsvoll und deshalb schrittweise mit Verhaltensregeln sowie Schutzmaßnahmen – die Beschränkungen aufheben müssen. Natürlich ist es einfach zu behaupten, die getroffenen Maßnahmen waren nicht verhältnismäßig, wenn wir vergleichsweise glimpflich durch die Pandemie gekommen sind. Man muss sich aber auch klar fragen, aus welcher Ecke diese Behauptung kommt und welche Ziele damit verfolgt werden.

Es wird behauptet, dass COVID-19 nur für einen kleinen Teil der Bevölkerung (Risikogruppe) eine Gefahr darstelle.

Das Virus stellt für jeden eine Gefahr dar, denn niemand ist immun gegen COVID-19. Wie eine Infektion bei dem/der Einzelnen verläuft, ist nicht vorhersehbar. Es gibt inzwischen auch Fälle, in denen nur leichte Erkrankungsverläufe zu schweren Folgeschäden, u.a. an der Lunge führen.

Bei den bisher bekannten sehr vulnerablen Gruppen, also ältere und hochaltrige Menschen sowie Menschen jeder Altersgruppe mit Vorerkrankungen, ist das Risiko eines tödlichen Verlaufs am höchsten. Deshalb ist es ein Gebot der Solidarität, dass wir alle dazu beitragen, die Verbreitung des Virus einzudämmen. Darüber hinaus zeigen die Fallzahlen nach Altersgruppe (Quelle RKI, Stand: 24.04.2020), dass die Zahl der Infizierten zwischen 35 und 59 Jahren am größten ist. Die Zahl der COVID-19 Fälle bei der Altersgruppe 15 bis 34 ist größer als in der Gruppe der 60- bis 79-Jährigen. Schwere Verläufe können auch bei Personen ohne bekannte Vorerkrankung auftreten und werden auch bei jüngeren Patienten beobachtet. Niemand kann sich in Sicherheit wiegen.

Es wird behauptet, dass die Aufrechterhaltung der Beschränkungen mit immer neuen Forderungen (z. B. zehn Tage Verdopplungszeit der Fallzahlen, Reproduktionszahl kleiner eins,…) argumentiert werde.

Es handelt sich nicht um Forderungen, sondern um Indikatoren für die Verbreitung des Virus und damit für die (potenzielle) Aus- bzw. Überlastung der Kapazitäten unseres Gesundheitssystems. Die Erkenntnisse zu Indikatoren entwickeln sich weiter entsprechend der Weiterentwicklung der Kenntnisse über das Virus und dessen Verhalten. Das Virus ist erst seit kurzer Zeit bekannt und dessen Erforschung kann daher erst am Anfang stehen. Zuverlässige Erkenntnisse der Wissenschaft brauchen Zeit.

Es gibt nicht nur einen relevanten Indikator, sondern mehrere (u. a. Neuinfektionszahlen, Gesamtzahl der Infektionen, Reproduktionsrate).

Es wird behauptet, dass die Infektionskurve sich ähnlich darstellen würde, wie jedes Jahr bei der Grippewelle.

Die Kurven sind allein schon deshalb nicht zu vergleichen, weil die Grippe in der Vergangenheit ohne die bei Covid-19 ergriffenen Maßnahmen abgelaufen ist. Darüber hinaus sind Grippeviren und das Covid-19-Virus in der Weise nicht miteinander vergleichbar, dass Covid-19 sehr viel infektiöser ist als Grippeviren (es dockt bereits im Rachenraum an). Einen Kollaps von Gesundheitssystemen westlicher Industrieländer müssen wir bei den jährlichen Grippewellen nicht erleben – Gott sei Dank.

Es wird behauptet, dass schwerkranke Menschen leiden müssten, da dringende Operationen wegen des Freihaltens von Krankenhauskapazitäten für Corona-Patienten verschoben werden würden.

Es wurden und werden ausschließlich planbare Operationen verschoben. Dringende OPs, wie z. B. Krebsoperationen, werden selbstverständlich weiter durchgeführt.

Eine gute, tagesaktuelle Übersicht bietet das Robert Koch Institut hier.