Salgener Fachgespräch über Rückgang heimischer Fischarten

Fotoquelle: Johann Stoll/Mindelheimer Zeitung

Mit Bedauern stelle ich fest, dass in den letzten Jahren immer weniger heimische Fischarten wie die Äsche, die Bachforelle oder Edelkrebse in unseren heimatlichen Bächen zu sehen sind. Auch die biologische Vielfalt um unsere Gewässer nimmt ab. So hat von fachlicher Seite der jüngste „Fischzustandsbericht“ des Instituts für Fischerei Starnberg der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft feststellen müssen, dass mehr als die Hälfte der heimischen Fischarten vom Aussterben bedroht sind. Außerdem steht in dem Bericht, dass 87 Prozent unserer Flüsse und Bäche in ihrem natürlichen Zustand gestört sind – mit Auswirkung (un)natürlich auf die Fischpopulationen. Und das, obwohl unsere Gewässer – rein äußerlich – doch eigentlich in gutem Zustand sind.

Weil mich diese Entwicklung nicht nur als Umweltschutzpolitiker, sondern auch als Privatmensch beunruhigt, habe ich zu einem Fachgespräch in den Fischereihof des Bezirks Schwaben nach Salgen (Landkreis Unterallgäu) eingeladen. Hierbei konnte ich die schwäbische Fischerei- und Gewässer-Elite fragen, was die Ursachen dafür sind und was wir, Politik, Kommunen, Behörden u.a., tun können, um die Biodiversität in und um unsere heimischen Gewässer zu erhalten.

Relativ einig war sich die Experten-Runde, dass es die eine Lösung bzw. die eine Ursache nicht gibt. Das Problem ist vielschichtig: Ein Grund ist der, dass mehr und mehr Sedimente, also mineralische Kleinstpartikel, in die Gewässer fließen; insbesondere bei starkem Regen werden damit durchsetzte Oberflächenwasser in die Fließgewässer gespült. Dafür kann man aber nicht allein der Landwirtschaft die Schuld in die Gummistiefel schieben. Ein Großteil dieser Partikel wird auch von den Straßen, von geteerten Wegen oder Parkplätzen angespült. Außerdem sind heute viele Gewässer verschlammt. Der Sohle, also dem Bachgrund, fehlt der Kies. Der Humus, also der Schlamm, wird von den Äckeren abgeschwemmt, so dass Krebslarven und Kleinkrebse auf dem sandigen Grund kaum noch Nahrung finden. Gleichzeitig gehen Laichplätze für die Fische verloren. Um diese Verschlammung einzudämmen, wurde erst kürzlich eine neue Vorschrift erlassen, nach der Landwirte künftig maximal bis zu fünf Meter Abstand von ihrem Acker bis zu einem Fließgewässer einhalten müssen. Hier will ich politisch ansetzen: So kann ich mir vorstellen, dass Landwirte, die z.B. einen Kubikmeter Kies einsetzen, einen gesonderten Ökopunkt erhalten. Diese Ökopunkte kann der Landwirt dann z.B. an seine Kommune verkaufen, die in der Nähe bauen will.

Das Problem hat aber auch natürliche Ursachen, nicht nur menschengemachte: So sorgen sog. „invasive Arten“, also nicht-heimische Arten wie der Kormoran oder eingeschleppte Krebsarten, für leere Bäche bzw. für den Schwund heimischer Krebse. Auch der Biber, der die Bäche aufstaut, macht gewaltige Probleme. Wie auch der anwesende Dr. Oliver Born, Leiter des Fischereihofs Salgen und Fischereifachberater des Bezirks Schwaben, plädiere ich dafür, Biber und Kormorane zu begrenzen, also vermehrt abzuschießen.

Menschengemacht ist dann wieder eher die allgemeine Klimaerwärmung, die für aufgeheizte Gewässer sorgt, welche für die Fische wiederum schädlich bis tödlich sind. Helfen könnte hier, mehr Büsche und Bäume entlang der Ufer zu pflanzen, um mehr Schatten für die Wassertiere zu spenden. Auch hier könnten für pflanzwillige Kommunen Ökopunkte vergeben werden. Ebenso, wenn Städte und Gemeinden Gewässer im Sinne der Renaturierung pflegen, damit sie diese Maßnahmen künftig als Ausgleichsflächen nutzen können. Interessanterweise haben die Fachleute erklärt, dass Pestizide und Mikroplastik-Partikel für das Überleben der Fische nur eine untergeordnete Rolle spielen. Das hatte ich so nicht gedacht.

Alles in allem hatten wir eine sehr aufschlussreiche Diskussion, die mich darin bestärkt hat, das Thema in Berlin mit voller Kraft voranzutreiben. Das ist mir unsere heimische Natur schon wert.