Zukunft der Berufsbildungswerke und Fachkräftemangel in der Behindertenhilfe

Wie viele von Ihnen wissen, stehe ich mit dem Dominikus-Ringeisen-Werk mit seinem Hauptsitz in Ursberg regelmäßig im Austausch über aktuelle Fragen und Herausforderungen für die Sozialbranche. Aktuell bin ich mit Michael Winter, dem stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden des Ringeisenwerks, im Dialog über die Zukunft der Berufsbildungswerke und über den immer akuter werdenden Fachkräftemangel in der Behindertenhilfe. Das sind Themen, die mich nicht nur als Wahlkreisabgeordneten beschäftigen, sondern auch als für die Gesundheits- und Pflegepolitik zuständigen stellvertretenden Vorsitzenden meiner Fraktion. Da hier aber der Fachbereich Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik federführend zuständig ist, habe ich den früheren Bundesgesundheitsminister und heutigen Sozialexperten, meinen Fraktionsvorstandskollegen Hermann Gröhe zu einem Gespräch mit Michael Winter in mein Berliner Bundestagsbüro eingeladen.

Um die besonderen Kenntnisse und Erfahrungen sowie die wertvollen Ressourcen der Berufsbildungswerke besser zu nutzen, will ich durch eine Änderung des hier relevanten Sozialgesetzbuchs IX erreichen, dass in diesen Ausbildungseinrichtungen nicht nur Jugendliche mit schwierigen Ausgangslagen wie z.B. Lernbehinderungen, sondern grundsätzlich auch alle schwer vermittelbaren Langzeitarbeitslosen aus- und fortgebildet werden können. Dies wäre auch ganz im Sinne der Ursberger, aber auch des in Dürrlauingen ansässigen Förderungswerks St. Nikolaus. Es wäre doch eine absolute Verschwendung von sehr guten Ressourcen, wenn wir die Berufsbildungswerke nicht für diese Gruppe der schwer Vermittelbaren öffnen würden. Wir haben in diesen Einrichtungen exzellente Pädagogen mit sehr hohem Erfahrungsschatz sowie bestens ausgestattete Ausbildungsbetriebe und Werkstätten. Ich bin überzeugt, dass wir diese Menschen mit solch einer soliden Ausbildung mittelfristig in den regulären Arbeitsmarkt bekommen. Das müssen wir nutzen. So sieht es auch Kollege Gröhe, der uns zusagte, dieses Thema auf Ebene der Fraktion vorantreiben zu wollen und dabei auch die Bundesagentur für Arbeit mit ihren nachgeordneten Stellen ins Boot holen zu wollen.

Neben anderen branchen- und fachspezifischen Themen, die Michael Winter vorbrachte, kam auch der zunehmend spürbare Fachkräftemangel im Sozialbereich zur Sprache. Dabei legte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Winter ein klares Bekenntnis zur Bezahlung der Mitarbeiter nach Tarif und zu guten Arbeitsbedingungen ab, was ich sehr begrüße und vollumfänglich unterstütze. Um dem allgemeinen Fachkräftemangel zu begegnen, setzt das Ringeisenwerk u.a. viel Hoffnung in die Digitalisierung, die das Pflegepersonal vor allem bei zeitfressenden Dokumentationspflichten entlasten kann. Aber man brauche, so Michael Winter, weniger einen Pflegeroboter, sondern eine Assistenz für die Fachkräfte. „Für das DRW können Menschen und menschlicher Kontakt nicht durch Roboter ersetzt werden – die Menschlichkeit muss erhalten bleiben. Gerade bei der Entlastung der Pflegekräfte von Bürokratie kann Digitalisierung helfen und Zeit für die eigentlichen Pflegeaufgaben schaffen. So können z.B. Dokumentationsroboter oder spezielle Hard- und Software den Pflegekräften viel an bislang schriftlich festzuhaltenden Berichten abnehmen, indem die Dokumentationen vor Ort z.B. diktiert oder automatisiert erfasst werden. Dauerhaft braucht die Sozialbranche hier aber finanzielle Impulse und technische Entwicklungsarbeit.“, so Winter.

Ob in Berlin oder im Wahlkreis: Sehr gerne und mit voller Überzeugung bleibe ich mit Herrn Winter und den Ursbergern in engem Austausch, um einen vertieften Einblick in den Praxisalltag in der Pflege und Behindertenbetreuung zu behalten. Das ist bei einem solch wichtigen, gleichzeitig sehr komplexen Themenbereich unabdingbar für die Politik.