Besuch bei der Ditib-Gemeinde Burgau – Bekenntnis zu einem „deutschen Islam“ eingefordert

Foto: © Bernhard Weizenegger / Günzburger Zeitung

Nachdem im Januar in den bundesweiten Medien Meldungen die Runde machten von einem Geheimtreffen europäischer Vertreter des Islamverbandes Ditib in Köln, an dem sogar radikale Muslimbrüder teilgenommen haben sollen, habe ich das zum Anlass genommen, mit den Vertretern der regionalen Ditib-Gemeinden in den Dialog zu treten. Statt also meinen Unmut in Form eines Interviews oder in einer Pressemitteilung kundzutun, griff ich zum Hörer und bat den mir schon länger bekannten Vorsitzenden der Ditib-Gemeinde Burgau, Halit Özer, um ein persönliches Gespräch.

Das hat nun zusammen mit Ditib-Mitgliedern aus Günzburg, Thannhausen und Illertissen in der Ditib-Begegnungsstätte Burgau stattgefunden. In einem sehr offenen und gleichzeitig von Respekt geprägten Gespräch habe ich zum Ausdruck gebracht, dass es nicht sein darf, dass der Ditibverband in Deutschland von der Türkei aus, schlussendlich vom dortigen Präsidenten Erdogan ferngesteuert wird. Wenn Ditib eine Religionsgemeinschaft sein will, kann die Organisation nicht gleichzeitig ein politisches Sprachrohr eines Staatspräsidenten sein, dessen Rolle auf internationaler Ebene ich für mindestens fragwürdig halte. Interessant in diesem Zusammenhang war die Aussage eines Gesprächspartners, dass es „uns stört, mit Erdogan in Verbindung gebracht zu werden“. Aber „wir vergessen nicht unsere Wurzeln“. Das verstehe ich vollkommen und davor habe ich vollsten Respekt. Integration heißt aber nicht Abschottung von der einheimischen Gesellschaft, sondern Mitmachen, miteinander reden, mittendrin sein. Eines wurde mir aber wieder bewusst, nämlich dass die derzeitige doppelte Staatsbürgerschaft für Bürger außerhalb der EU ein Integrationshindernis ist und kein Mittel, die Integration zu fördern.

Ganz klar ist für mich: Ein Islam – welcher Strömung auch immer – der sich auf die Scharia bezieht, kann und darf für mich keine gesellschaftliche Rolle in Deutschland spielen. Jede Religion, jeder Gläubige und jeder Geistliche hat sich an die Grundprinzipien unserer freiheitlich-demokratischen Rechtsordnung zu halten. Wir dürfen und wir werden hierzulande keine Form einer fanatisiert-radikalen Religionsgruppe – ganz gleich welcher Art – dulden. Da brauchen wir nicht lange über die Frage schwadronieren, ob „der Islam zu Deutschland gehört“ oder nicht. Eine islamische Gemeinde mit ihren Gläubigen hat für mich – wenn sie dies beherzigt – völlig unstreitig ihren Platz in unserer Gesellschaft. Da muss ich nicht das Grundgesetz zitieren. Aber ich erwarte von den islamischen Gemeinden und Imamen auch, dass sie in deutschen Moscheen auf deutsch predigen und dass sie nicht von dubiosen Quellen aus dem arabischen Ausland finanziert werden. Da muss auf Seiten unserer islamischen Partner noch Einiges nachgebessert werden. Was dem Islam oder besser gesagt seinen verschiedenen Ausrichtungen und deren Wortführern gut tun würde, ist ein Prozess der Aufklärung des 21. Jahrhunderts, wie wir ihn im Christentum auch durchgemacht haben und der uns als Religionsgemeinschaft, als Gesellschaft und als Staat sehr gut getan hat.

Bedauerlich fand ich die Ausführungen meiner Gesprächspartner, die „das Gefühl haben, dass wir nicht erwünscht sind“. Während man in Deutschland – auch mit deutschem Pass – als Türke gesehen werde, werde man in der Türkei – auch mit türkischem Pass – als Deutscher gesehen und behandelt. Da müssen wir als einheimische Bevölkerung in der Tat Einiges an Skepsis und Berührungsängsten ablegen und mehr auf unsere türkischstämmigen Landsleute zugehen. Auch das ist ein wichtiger Teil der Integration. Mein Gesprächsersuchen sollte dazu jedenfalls einen Beitrag leisten und das Gefühl stärken, dass auch die Ditib-Mitglieder ein lebendiger und anerkannter Mosaikstein unserer freiheitlichen Gesellschaft sind.