Leben retten! Trendumkehr im Transplantationsrecht jetzt umsetzen!

Während Sie diesen Artikel hier lesen, warten in Deutschland etwa 10.000 Patienten auf ein lebensrettendes Spenderorgan, davon etwa 8.000 auf eine Niere. Etwa dreimal so viele Menschen brauchen eine neue Niere wie Transplantate vermittelt werden können. Einige Herz- und Leber-Patienten müssen wegen ihres schlechten Allgemeinzustands von der Warteliste gestrichen werden; viele sterben, weil kein Organ rechtzeitig zur Verfügung steht. Demgegenüber standen im Jahr 2017 bundesweit lediglich 797 Organspender, 60 weniger als noch im Jahr 2016.

 

Ein Fall ist die heute 34-jährige Sina Jürgensen: Die lebensfrohe, voll im Leben stehende, gesellige, beliebte und hübsche junge Frau (vgl. Fotos) bekam – ausgerechnet am Heiligabend – 2013 als damals 29-Jährige die Diagnose Nieren-Versagen, nachdem sie ihren Hausarzt eigentlich wegen Grippe-Verdachts aufgesucht hatte. Aufgrund der bestehenden Feiertage konnte der Hausarzt kein Blut abnehmen; das sollte dann nach den Feiertagen nachgeholt werden. Zwischenzeitlich ging es Sina Jürgensen allerdings so schlecht, dass sie noch am 23. Dezember abends in die Notfall-Aufnahme der Asklepios-Klinik auf Sylt gegangen ist. Dort wurde sie sofort auf die Intensivstation verlegt. Wegen eines heftigen Sturms konnte sie zunächst nicht ausgeflogen werden. Am 24. Dezember wurde sie schließlich mit einem Rettungswagen mit Blaulicht und Notarzt in die Intensiv-Station der Asklepios-Klinik Hamburg-Altona gefahren. Bevor die tatsächliche Ursache ihrer schweren Erkrankung, nämlich Nieren-Versagen, festgestellt wurde, lautete die erste Diagnose noch Tumor im Endstadium. Schon am 27. Dezember 2013 musste sich Sina Jürgensen ihrer ersten Dialyse unterziehen; zumal sie da schon 30 kg zugenommen hatte, weil sich so viel Wasser in ihrem Körper gebildet hatte; Wasser, das ihre Niere nicht mehr abbauen konnte. Das wiederum führte zu einer Lungen-Entzündung mit anschließender Lungen-Embolie. Daher musste die junge Frau künstlich beatmet werden, vgl. Fotos. Im März 2014 wurde sie schließlich aus dem Krankenhaus entlassen. Gesund ist sie deswegen leider nicht: Seitdem muss sie drei Mal in der Woche für jeweils sechs Stunden zur Dialyse. Spätestens seit dem Frühjahr 2014 weiß Sina Jürgensen, dass sie nie wieder ein normales Leben führen kann, wenn sie nicht eine Spenderniere bekommt. Bis dahin muss sie auf eine strenge, sehr eingeschränkte Ernährung achten, darf am Tag nur begrenzt Flüssigkeit einnehmen und muss täglich zig Tabletten schlucken.

 

  
© Fotos Sina Jürgensen

 

Dass Fälle wie Sina Jürgensen so lange leiden oder gar sterben müssen, daran muss der Gesetzgeber etwas ändern. Wir müssen das System vom Kopf auf die Füßen stellen. Deshalb setze ich mich klar für die sog. „Widerspruchslösung“ ein. Will heißen: Grundsätzlich ist jeder Bürger potentieller Organspender, wenn er nicht aktiv widerspricht. Ich kenne keinen Menschen, der – wäre er in einer Lage wie Sina Jürgensen oder andere Todkranke – ein Spenderorgan im Fall der Fälle ablehnen würde. Wenn also jeder bereit ist, ein Spenderorgan anzunehmen, dann kann man doch auch davon ausgehen, dass jeder auch grundsätzlich selbst zum Spenden bereit ist. Wer das nicht möchte, unterschreibt einfach eine Widerspruchserklärung. Die muss auch nicht begründet werden. Nein heißt dann Nein. Das ist dann auch ohne jede Einschränkung zu akzeptieren. Vom Arzt, den Behörden, aber auch vom gesellschaftlichen Umfeld. Moralische Schuldzuweisungen verbieten sich hier. So bleiben die Persönlichkeitsrechte jedes Individuums gewahrt. Plakative Vorwürfe, damit würde „der Körper der Willkür des Staates ausgesetzt“, laufen klar ins Leere. Jedem steht es frei, nicht zu widersprechen, also zu spenden, oder zu widersprechen, also nicht zu spenden. In vielen europäischen Ländern ist das seit Jahren gelebte Praxis – warum nicht auch in Deutschland?

So retten wir viele Leben, schaffen Hoffnung und Perspektiven für tolle und starke Menschen wie Sina Jürgensen und so viele Transplantationspatienten, die ihr Leben noch vor sich haben. Daran will ich mitwirken. Deshalb: Widerspruchslösung jetzt!

Ihr Georg Nüßlein